Die Verbindung des Turnierwesens mit dem Renaissance-Treppenfries

In Celle gibt es kein Gebäude, das nur eine Eigenschaft von Planetenkindern zeigt, es sind immer alle typisierten Eigenschaften der Planetenkinder, die im moderneren Treppenfries – dem Renaissance-Treppenfries – vertreten sind, wobei die Konstellation Treppenfries und Turnierwesen – der Herzöge wegen –häufig vertreten ist. An der Stadtkirche 1 sehen wir den abgewandelten Treppenfries, er ist jeweils seitlich mit Motiven des Turnierwesens versehen. Vor einem Turnierkampf wurden die Astrologen befragt, jeder Teilnehmer wollte über einen eventuellen Sieg im Vornherein informiert werden.
In Celles Bürgerhäusern werden die eigentlich adligen Themen des Turnierwesens bedenkenlos übernommen, was aber zu neuen Erzählmustern führte, wie z. B. am Haus Neue Straße Nummer 11 vermutet werden kann.

In der Ratsbadestube ist der Renaissance-Treppenfries eingebunden in ein medizinisches Geschehen, der Urinbeschauer als Arzt führt das Regiment, obwohl Szenen aus dem Turnierwesen gezeigt werden12. Der Celler Rat, der für die Verzierung verantwortlich war, hatte keine eigenen Intentionen und übernahm die allgemein übliche Darstellungsart des Turnierwesens. Es sei denn, der Ort diente einst verwundeten Turnierkämpfern zur Behandlung, was aber eher einen Erinnerungsfaktor an glorreiche Turnierkämpfe darstellte und weniger an die spätere Nutzung als Ärztehaus mit beigefügtem Badehaus erinnert.

Übrigens löste das Beschlagwerk die Motive des Turnierwesens ab, wie das Haus in der Zöllnerstraße 6 deutlich zeigt. Das Beschlagwerk erinnert an florale und grafische Ornamente, als ob sie in Sandstein gehauen wären. Hier bestimmte das Bürgertum das neue Erscheinungsbild der Verzierungen. Viele Ornamente mischten sich mit antiken Motiven, wie z. B. mit stilisierten Säulen.

[12] Andreas Behrens, Kleine Einführung in das Badewesen
(http://massenware-postkarte.de/index.php?id=186) aufgerufen am 05.03.2017