Die Lebensaltersstufen von Tobias Stimmer

Die Lebensaltersstufen sind ab dem Ende des Mittelalters bis ins 20. Jahrhundert sehr beliebte Themen für Künstler. Auch ohne die Stundenherrscher sind für ältere Männer und Frauen die Lebensaltersstufen von großem Interesse. Tobias Stimmer (1539–1584) beschreibt in fünf Paaren das Lebensalter von Männern. Jeweils unterhält sich der Jüngere mit dem Älteren.

„Jar Kindisch, Jar Kindisch“, Blatt 1
Ein kleines Kind unterhält sich mit einem Jugendlichen, der die Falkenjagd erlernt.

„Jar ain Man, Jar haußhalten kann“, Blatt 2
Ein dreißigjähriger lediger Mann in der Darstellung eines Soldaten stellt die Streitlust in den Vordergrund. Der Vierzigjährige neben ihm trägt bürgerliche Kleidung und versorgt eine Familie.

„Jar still stahn, Jar gehts alter ahn“, Blatt 3
Zwei alte Männer stehen vor einem Weinstock. Sie erscheinen gelehrt und bürgerlich. Der Fünfzigjährige steht in der Blüte seines Lebens.

„Jar ain Greis, Jar nimer weis“, Blatt 4
Zwei alte Männer stehen vor einem Baum. Beide haben einen Bart und sind vornehm gekleidet. Der Siebzigjährige blickt auf einen Hund hinab, während sich der Achtzigjährige bereits auf einen Stock stützt.

„Jar der kinder spot, Jar genad dir Got“, Blatt 5
Gestützt auf einen Stock steht der jüngere Greis und blickt den älteren, der im Stuhl sitzt, an. Hinter dem älteren steht der Tod mit einer Sanduhr in der Hand, die Zeit ist bald abgelaufen.
Auch die Frauen unterhalten sich innerhalb von fünf Paaren über ihr Lebensalter. Die Folge von Holzschnitten zeigt die Lebensphasen bürgerlicher Frauen aus der Sichtweise des 16. Jahrhunderts.

„Jar Kindischer art, Jar ein Jungfrau zart“, Blatt 1
Ein Mädchen hält eine Puppe, während die Jungfrau bereits im Brautschmuck dargestellt ist. Sie lässt sich von einem Spielmann mit Tanzmeistergeige unterhalten.

„Jar im hauß die frau, jar ein Matron genau“, Blatt 2
Die Frauen bestellen den Haushalt, die jüngere ist für die Erziehung der Kinder verantwortlich. Die ältere, als Matrone gedeutet, liebkost die Hunde.

„Jar eine Großmuter, Jar deß Alters schuder“, Blatt 3
Vor der Großmutter steht ein Kind, beide betrachten die ältere Frau, die Wolle zu einem Faden verspinnt.

„Jar alt Ungestalt, Jar, wüst und erkalt“, Blatt 4
Eine alte, kranke Frau sitzt auf ihrem Bett. Die jüngere besucht sie am Krankenlager. Sie hält eine Bibel und einen Rosenkranz in den Händen.

„Jar ein Marterbildt, Jar das Grab außfült“, Blatt 5
Der Tod als Erz-Alchimist hält der Sterbenden die gerade ablaufende Sanduhr entgegen. Zudem setzt er den trockenen Rosenstock in Brand. Die Großmutter steht der Sterbenden bei, muss sich aber auch um die Kinder kümmern.