Der gotische Treppenfries

Die Serie der Planetenkinder ist nirgends in szenischer Weise auf Fachwerkschnitzereien wiedergegeben. Wir kennen nur die Planetengötter und Stundenherrscher, diese führen und leiten die Planetenkinder, wobei es zwei unterschiedliche Konzeptionen von Darstellungen der Planetengötter mit ihren Kindern gibt. Wir fangen mit der Konzeption der Lebensalter an, hierzu wurde ein einfaches System von Stufen entwickelt, die wir in frühen Fachwerkschnitzereien wiedererkennen können. Gemeint ist der gotische Treppenfries, so wie wir ihn am Haus 32 in der Neuen Straße sehen.

Auf jeder Stufe steht ein Planeten- oder Stundenherrscher, fast genauso wie in einer siebenteiligen Planetenrosette. Dass die erste und letzte Stufe nicht ganz gesehen werden, liegt wiederum an religiös besetzten Themen, wie Geburt und Tod. Auch gibt es vielstufige Friese von mehr als sieben Stufen. Hier ist die Anzahl der Lebensaltersstufen erhöht. Ein Tageshoroskop, das auf ein Tagwerk ausgerichtet ist, stellt ein individuelles Horoskop dar. Ein kollektives Horoskop wird in Treppenfriesen veranschaulicht. So wie Hans Sachs den „Astronomus“ beschreibt, arbeitet dieser nur an kollektiven Aussagen, z. B. bei Gruppierungen, die von Teuerung und Kriegsgefahr oder Krankheit betroffenen werden10. Im Horoskop stellte man wohl nur ein kleinen Anteil von Häusern zusammen (Ausschnitt) und berechnet diese zwölf Mal, immer um ein Tierkreiszeichen versetzt.

Bevor wir die einzelnen Planeten- oder Stundenherrscher mit ihren Kindern darstellen, soll das Haus von Urbanus Rhegius betrachtet werden. Das Haus liegt heute geteilt aufgebaut in der Bergstraße 1 a und 1 b. Die Verzierung zeigt den siebenteiligen Treppenfries in mehreren Schichten, als ob damals eine Aussage getroffen worden wäre, „es sei richtig, alle sieben Lebensalter aufzuzeigen“, einschließlich Geburt und Tod. Dies wird untermauert mit den nebenstehenden Figuren von Bürgern und einem Narr, die von der Weisheit zu Tisch geladen sind (Sprüche Kapitel 9, Weisheit und Torheit laden zum Mahle): „... Denn durch mich werden deiner Tage viel werden und werden dir der Jahre des Lebens mehr werden ...“ (Sprüche Kapitel 9.12). So ist durch die Weisheit Salomos die Spanne des Lebens größer, so gehören die Geburt und der Tod selbstverständlich in das menschliche Ermessen.