Die Palmenrosette und die gedrehte Palmenrosette im Salomonischen Tempel

Die Palmenrosette wird genauso behandelt wie die Fächerrosette. Bei der Unterteilung stellt ein Fach einen Palmenwedel da. Wo Palmen sind, ist der Himmel nah7. Ein Palmenwedel steht aber auch für eine Winkelmessung zwischen Erdpunkt und Himmelspunkt. Die Palme wächst spiralförmig in die Höhe, in der Krone stellt der Sprössling die Mitte dar, während an den unteren Stellen die älteren Palmenwedel absterben.

Biblisch wird zu Palmsonntag (Palmarum) an den feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem gedacht, man ebnete ihm den Weg mit Palmenwedeln, genau so, wie es einem siegreichen König gebührte, der eine Schlacht geschlagen hatte. Damit beginnt die eigentliche Passionswoche und das Leiden und Sterben Christi.
Ein weiteres Beispiel stellt die Nutzung der Palmen aus dem sakralen Bereich des Salomonischen Tempels dar. Die meisten Fachwerkrosetten spiegeln indirekt die Verzierung des Allerheiligsten im Salomonischen Tempel wieder.

Nach biblischer Darstellung ist der erste Jerusalemer Tempel auf dem Berg Moria erbaut worden. Im Allerheiligsten befand sich die Bundeslade mit den Gesetzestafeln. Palmen und Cherubim schmückten den innersten Raum8. Der gezeigte Kupferstich basiert auf dem Kupferstich des Architekten Juan Bautista Villalpando (1522–1608) und bezieht sich direkt auf den Bibeltext: „Und an allen Wänden des Hauses um und um ließ er Schnitzwerk machen von ausgehöhlten Cherubim, Palmen und Blumenwerk inwendig und auswendig.“ 1 Könige 6:29 (nach Martin Luthers übersetzung)

Die Palme ist also die natürliche Vorlage für viele Fächerrosetten, so sieht es auch Hans Luxner, der von Fächerrosetten, Palmettenrosetten und Wirbelrosetten redet9.

[7] Johannes Luithle, Pflanzen der Bibel, edi Themenblatt Nr. 9, Ostfildern
[8] Universität Zürich, Juan Bautista Villalpando www.khist.uzh.ch/architekturkontext/wiki/index.php?n=Themen.JuanBautistaVillalpando, aufgerufen am 05.03.2017
[9] Hans Luxner, Fachwerk-Häuser, Mannheim 2005, S. 58