Der Kalendererker mit den Jahreszeiten

Auf dem Kalendererker befinden sich Winter, Frühling, Herbst und Sommer. Die Vorlagen stammten aus der Verlegerwerkstatt von Hieronymus Cock. Die Motive selbst entwarf Lambert Lombard (die abgebildeten Exemplare stammen aus Amsterdam, Rijksmuseum, Rijksprentenkabinet).8 Die dazugehörigen Texte sind als Bildunterschriften zu verstehen.9 Sie werden literarisch überschwänglich beschrieben: „Und in der kalten Jahreszeit ist die wolkige Luft schwer von Schnee / Der Frühling malt die knospenden Wiesen mit bunter Farbe / Der Herbst pflückt strotzende Trauben von den Weinstöcken / Der feurige Sommer schmückt die Felder mit den heiligen Ähren der Ceres“. Irritationen rufen die Reihenfolge der Jahreszeiten hervor. Papst Gregor stellte 1582 seine Kalenderreform des julianischen Kalenders vor. Die exakte astronomische Länge eines Jahres sollte neu ermittelt werden. Die Erde umkreist einmal im Jahr die Sonne. Die Erdneigung von 23,44° zwischen Äquator und Ekliptik bewirkt die Jahreszeiten. Diese sind astronomisch an den Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen zu erkennen. Borcholt hat so seine Jahreszeitenmotive aufgeteilt, wir müssen uns die Motive rundherum in einem Kreis vorstellen.

Sommer und Winter
Die Sonnenwende findet zweimal im Jahr statt. Zur Wintersonnenwende (Nordhalbkugel der Erde am 21. oder 22. Dezember) erreicht die Sonne die geringste Mittagshöhe über dem Horizont, während sie zur Sommersonnenwende (am 20., 21. oder 22. Juni an Orten nördlich des nördlichen Wendekreises) ihren mittäglichen Höchststand über dem Horizont hat. Umgekehrt sind die Verhältnisse auf der Südhalbkugel. Für die Nordhalbkugel gilt: Bei der Sommersonnenwende herrschen der längste Tag und die kürzeste Nacht, bei der Wintersonnenwende herrschen die längste Nacht und der kürzeste Tag.
Neujahr ist der erste Tag des Kalenderjahres, er fällt in den Winter. Allerdings gab es im Mittelalter mehrere „Jahresstile“; das bedeutete, dass der Jahresbeginn zu unterschiedlichen Zeiten gefeiert wurde. Martin Luther wollte den 25. Dezember zum Beginn des neuen Jahres machen und sah den 1. Januar als Tag der Beschneidung und Namensgebung des Herrn. Philipp Melanchthon und Johannes Brenz machten den 1. Januar nach 1550 zum christlichen Neujahrstag. Das Heilige Römische Reich ordnete ab 1544 den 1. Januar als Neujahresbeginn an.

Sommer und Winter am Kalendererker

Frühling und Herbst
Die Tagundnachtgleichen (Äquinoktien) bestimmen astronomisch den Frühjahrs- und Herbstbeginn. Der Zeitpunkt des Frühlingsanfangs liegt um den 19./20./21. März herum. Der Zeitpunkt des Herbstanfangs ist der 22./23. oder 24. September. Hiernach richtet sich das Jahr aus, nicht allerdings einige kirchliche Feiertage. Durch die in Nicäa vereinbarte Fixierung des Frühlingsanfangs auf den 21. März und durch den zyklisch bestimmten Vollmondtermin kommt es immer wieder zu Osterparadoxien, an denen der Ostertermin nicht exakt auf das astronomisch berechnete Datum fällt.10 Protestanten verfluchten Gregors Reform lange als „trojanisches Pferd, dessen verhängnisvoller Inhalt die evangelischen Kirchen unter päpstliche Knechtschaft zwingen soll.11

Frühling und Herbst am Kalendererker

[8] http://hss.ulb.uni-bonn.de/2003/0126/0126.pdf (Die Jahreszeiten als Regenten, Abbildungen 73–76; aufgerufen am 3.12.2016); https://www.rijksmuseum.nl/nl/rijksstudio/30412--geertruida-m-p-brouwer/verzamelingen/planeten (aufgerufen am 3.12.2016).

[9] http://www.inschriften.net/hildesheim/inschrift/nr/di058-0467.html#content (aufgerufen am 2.12.2016).

[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Osterdatum (aufgerufen am 2.12.2016).

[11] http://www1.wdr.de/stichtag/stichtag6430.html (aufgerufen am 15.12.2016).