Borcholts „Römisches Haus“

Borcholts „Römisches Haus“ besteht zur Straßenseite hin aus vier Tugendfiguren, antiken Kaiserporträts, dem Kalendererker und einem 1587 verschlossenen Zugang. Dazu gesellen sich ein Fries von Rabenvögeln und ein Fries mit Jagdszenen. Am Kalendererker ist zu den Kaiserporträts hin die Figur „Tactus“ zu sehen. Auf der Hofseite befinden sich mehrere Eingänge, zwei Figuren erinnern an das Osmanische Reich. Die Fassaden sind mit Renaissance-Sandsteinornamenten und Hermenpilastern verkleidet. Außerdem gab es im Hof einen Dianabrunnen. „Kaiserhaus“ heißt das Anwesen erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts. Die vier Figuren (Tugendfiguren) wurden bereits von Prof. Dr. Theodor Lindner als Repräsentanten der vier Weltreiche nach Daniel Kap. 7,3–24 gedeutet.1 Diese Ansicht wird auch im ersten Band der Schriften des Hornemann Instituts geteilt.2

Das sogenannte Kaiserhaus in Hildesheim

Caspar Borcholt wird hier als Bauherr und Lizenziat beider Rechte, des kirchlichen und des zivilen Rechts, vorgestellt. Als Protestant hatte er die Interessen des Hildesheimer Domkapitels in sämtlichen Gerichtsverhandlungen zu vertreten. Borcholt heiratete 1581 Ursula Brandis, mit der er auch eine Tochter hatte. Borcholt gehörte seinerzeit zu den vermögenden Bu?rgern von Hildesheim. 1599 starb der „sehr gebildete Rechtsgelehrte“ Caspar Borcholt, wie aus der Leichenpredigt von Nikolaus Siegfridus – gehalten in der Andreaskirche – hervorgeht: „Hat auch ein fein zierlich / gros / herrlich unnd stattliches Haus alhie gebawet / mit sehr vielen Stuben / Kamern / Sahlen / Caminen und anderer notturfft außgefueret / mit kuenstlichen Bildern und Gemaelden beid aus und inwendig gezieret / mit vielen trefflichen / beide Geistlichen und Weltlichen Historien / vielen außerlesenen Spruechen Gottliches Worts geschmuecket / die der als ein hochgelarter Man nebe(n) verrichtung seiner vielen Juristischen sachs(n) selbst alle so angeordnet hat / daß solches Haus gleich meines erachtens / nach Buergerlicher art / weit und breit herumb fast nicht ist / daß / wer hierher koemmet / solches zu sehen begeret / und sich darueber verwundert: Mancher guter handwercks Man ist dadurch gebessert worden.“

[1] Adolf Zeller, Kunstdenkmäler der Provinz Hannover, II. Regierungsbezirk Hildesheim, Stadt Hildesheim,
bürgerliche Bauten, Hannover 1912, S. 296–304.


[2] Angela Weyer (Herausgeberin), Das Kaiserhaus in Hildesheim, Renaissance in Niedersachsen, Hildesheim, 2000.