Bildprogramm am Hoppener Haus in Celle[12]

1532 ließ Ernst der Bekenner das Haus der Planetengötter für seinen Rentmeister (Finanzbeamten) Simon Hoppener errichten.[13] Das Bildprogramm ist hier im Sinne von logischer Folge dargestellt: Es gibt keine Zweifel, die Planetengötter beherrschen das Geschehen, Juno lässt die Geschichte vor Mars beginnen, indem sie sich gleich zweimal präsentiert – einmal als Mutter des Mars und ein anderes Mal als Juno, die Göttin über die Geburt. Auch hier müssen wir uns das Geschehen in einem Kreisrund vorstellen. Saturn folgt als Sackpfeifer und spielt zum Bauerntanz auf. Jupiter ist ein Tanzmeister in antiken Gewändern mit einer Tanzmeistergeige. Sol hält eine Lyra und Merkur hat neben dem Heroldstab eine Flöte in den Händen. Bis auf Mars, Venus und Luna halten alle Musikinstrumente in den Händen. Unter der Säule der Christgeburt am Brusttuch gibt es im unteren Bereich eine Szene, in der Tiere versuchen miteinander zu musizieren. Doch sie bereuen diesen Versuch, da sie nicht miteinander harmonieren können. Einem Teil der Planetengötter am Hoppener Haus gelingt es zu musizieren, doch befinden sie sich im rechten Miteinander? Denken wir an die Eifersucht Junos, die ihrem Gemahl Jupiter stets heftig zusetzen lässt. Die Harmonie der Planetengötter soll in einer oberen Balkenlage durch die Menschen gespiegelt werden: Hier gibt es individuelle Lebensbahnen (wie an der Huneborstelchen Verzierung auch), die erst einmal durch Ungeheuer besetzt werden. Das Tohuwabohu (oberhalb von Saturn) erzeugt Ungeheuer, die Götter und Menschen beeinflussen. Ein Hahnenreiter lässt sich ausschließlich von der Natur leiten. Auseinandersetzungen wie Kriege werden geführt (Anspielung auf die Hildesheimer Stiftsfehde). Eine rote Nase symbolisiert eine nicht eingeplante Niederlage. Musizierende Menschenkinder versuchen zusammen zu harmonisieren. Selbst über den Tod hinaus hält der Glaube die Menschenkinder zusammen. Mit dem rechten christlichen Glauben, symbolisiert durch ein Gefäß, welches an das Abendmahl erinnert, schreitet der Mensch im liebevollen Zusammenspiel – symbolisiert durch die Sackpfeife – in die vielverheißende Zukunft, ohne jeglichem Aberglauben ausgeliefert zu sein. Die Lebensbahnen der geläuterten Planetenkinder sind frei von Ungeheuern, der Mensch ist frei – gemäß Luthers Beschreibung „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ und niemandem Untertan (letzte Figur über dem gehaltenen Mars oben rechts). Die von Burgkmairs Wiedergabe der Planetengötter abweichende Darstellungsweise erschwerte eine Erläuterung des Bildprogramms am Hoppener Haus in Celle. Inhaltlich gilt Ernst der Bekenner (1497–1546) als erster Fürst, der das Abendmahl in beiderlei Gestalt (symbolisierter Leib und symbolisiertes Blut Christi) zu sich nahm. Das Abendmahl erinnert an das letzte Mahl, das Jesus von Nazareth mit seinen Aposteln feierte. Darin ist auch nach protestantischer Auffassung der Wille zum Gehorsam zu sehen, die biblische Aufforderung Christi „Trinket alle daraus“ zu erfüllen. War es am Brusttuch noch Paulus, der im 1. Korintherbrief an das Abendmahl erinnerte, so wird sechs Jahre später jeder christliche Gläubige aufgefordert, symbolisch aus einem Kelch zu trinken und von einem Leib zu essen. Der Feuertopf zur Nahrungsaufbereitung soll daran erinnern, genauso wie antike Versuche über Balsam und Speise der Götter berichten. Die geschnitzten Köpfe im Halbporträt (Intermezzo) erinnern an Celler Bürger, die das Geschehen beobachteten oder willkürlich in die Auseinandersetzungen mit hineingezogen wurden.

[12] Hans Günther Bigalke, Fachwerkhäuser, Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover 2000, S. 42–47.
[13] Hans Walter Schütte, Kirche in Celle, Mönchsfrömmigkeit und Laienprotest, Verlag der Celleschen Zeitung, Celle 1992, S. 55–66.