Religiöse Aspekte zum Thema Wasser

Die Vergnügen in öffentlichen Badestuben wurden von kirchlichen Institutionen angeprangert. Die gesundheitsfördernde Wirkung des Wassers fand allerdings allgemeine Anerkennung.

Wasser diente neben dem profanen Badehausbetrieb seit jeher der rituellen Reinigung. In diesem Kontext ist auch die Taufe als christlicher Ritus zu begreifen. Der Täufling wird mit Wasser übergossen und im christlichen Sinne neugeboren und in die Gemeinschaft aller Christen aufgenommen.

Bestimmten Quellen und Gewässern schrieb man Genesung von Krankheiten zu. Die vitalisierende Wirkung des Wassers galt als Wunderheilung. 
 
Die Szene der Susanna im Bade respektive Susanna mit den beiden Alten geht auf eine biblische Quelle zurück, Buch Daniel 13, Vers 1–64. Der Prophet Daniel errette die schöne Susanna vor dem Tod. Diese wurde des Ehebruchs mit wollüstigen Alten beschuldigt, weil jene die schöne Frau im Bade beobachtet hatten und selbst begehrten. Da Susanna aber standhaft blieb, wurde ihr gedroht und der Prozess gemacht. Daniel untersuchte abermals den Fall und stellte die unterschiedlichen Aussagen der beiden Alten zum Tathergang fest. Diese verstrickten sich daraufhin in ihre Aussagen und wurden letztlich selber abgeurteilt.

Anonymus
Taufbecken im Hildesheimer Dom
1889 | Fotografie, 96 x 145 mm
Aus: Verlag Römmler & Jonas, Dresden 1889

Das Taufbecken mit dem spitz zulaufenden Deckel stammt aus dem 13. Jahrhundert. Auf der untersten Ebene der Reliefdarstellungen gehen vier Lebensströme – die Flüsse Phison, Geon, Euphrat und Tigris – vom Paradies aus, sie bewässern die Welt. Des Weiteren sind im Bildprogramm auf der zweiten Ebene Szenen aus dem Alten und Neuen Testament abgebildet: die Taufe Christi, ein Stifterbild mit Maria und dem Kind, der Durchzug durch das Rote Meer und die Durchquerung des Jordan. Auf dem Deckel sind vier weitere Szenen abgebildet, sie sollen die Bedeutung der Taufe für das christliche Leben aufzeigen.

Susanna und die beiden Alten

Antoine Louis Romanet
Susanna und die beiden Alten
nach 1786 | Kupferstich , 164 x 203 mm

Kupferstich der biblischen Szene nach Ludovico Carraccis Gemälde von 1616, Fassung von 1786 und spätere Fassung seitenverkehrt: Susanna bereitete sich im Garten auf ein Bad vor. Ein lüsterner Alter will ihr die Kleider wegreißen. Links im Hintergrund muss sich ein Putto eines schlangenartigen Ungeheuers erwehren, eine Allegorie auf das Ringen um die Wahrheit. Erst Daniel erkennt die wahre Begebenheit und dass die beiden Alten aus eigennützigen Motiven Susanna als Ehebrecherin darstellen. Daniel entlarvt die lügnerische Absicht der beiden Alten und lässt diese statt Susanna verurteilen.

Der Voyeurismus und die Freizügigkeit in Badehäusern ist oft abgebildet worden, etwa wenn dargestellt wurde, wie Männer und Frauen sich zusammen dort vergnügten. Später, als man die Geschlechter in den Badehäusern trennte, gab es weiterhin Möglichkeiten sich gegenseitig zu beäugen. Eine Gelegenheit dazu bot oft eine Trennwand aus Holz, die den Frauen- und Männerbereich abtrennte. In dieser Trennwand gab es oben ein offenes Fenster. Durch dieses sollte der heiße Dampf im gesamten Badehaus zirkulieren können. Eben durch dieses Fenster aber konnten genauso die sich waschenden Frauen beobachtet werden.