Die Badestube um 1550

Allein die Aufstellung der Gebäude gibt Anlass zur Vermutung, dass das Baden im 16. Jahrhundert zur Fröhlichkeit aller Bevölkerungsschichten beigetragen hat.
So ist es dem Heimatlexikon unter dem Stichwort „Bader und Barbiere“ sinngemäß zu entnehmen: „[…] die tägliche Dauer von Fröhlichkeit hätte jedermann – ginge er ins Bad.
Eine Woche Fröhlichkeit hätte jeder – wenn er sich zur Ader lassen würde.
Will man aber einen Monat fröhlich sein – müsse man ein Schwein schlachten.“[3]

Üblich war es, nüchtern in das Badehaus zu gehen, um später bei Bedarf ausgiebig zu prassen. Oder sich nach dem Schwitzbad gegen zahlreiche Leiden wie z. B. Hautkrankheiten behandeln zu lassen. Viele Bader waren auf Nebeneinnahmen angewiesen, allein das Schröpfen, Aderlassen, Bartscheren und Haareschneiden reichte zum Lebensunterhalt nicht aus. Die Chirurgie und die Bereitstellung von Verköstigung gehörten daneben zu lohnenden Einnahmen. Das Schröpfen ist auf vielen Holzschnitten zu sehen, so z. B. im Ständebuch von 1568 mit Holzschnitten von Jost Amman und Texten von Hans Sachs.[4]

„Der Bader
Wolher ins Bad Reich vnde Arm /
Das ist jetz und geheitzet warm /
Mit wolschmacker Laug man euch wescht /
Denn auff die Oberbanck euch setzt /
Erschwitzt / denn werdt jr zwagn vnd gribn /
Mit Lassn das vbrig Blut außtriebn /
Denn mit dem Wannenbad erfreuwt /
Darnach geschorn vnd abgefleht.“

Jost Amman
Der Bader

1659 | Holzschnitt, Plattenabzug aus Frankfurt am Main, 60 x 78 mm
Aus: Hans Sachs und Jost Amman, „Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden …“, Frankfurt am Main 1568

Der Bader setzt einer Frau in einer Badestube Schröpfköpfe auf.

Christian Egenolff (Offizin)
In der Badestube

nach 1520 | Holzschnitt aus der Werkstatt, Druckstockabzug, 56 x 38 mm
Aus: Adamum Lonicerum der Arzeney Doctorem. „Kreuterbuch, künstliche Conterfeyung der Bäume … Gewürze …“, Frankfurt am Main 1582
 
In einer Badestube mit einem angeheizten Ofen (erhitzte Steine) setzt der Badergeselle einem Gast mit Hilfe einer Öllampe Schröpfköpfe.

In vielen medizinischen Illustrationen aus der Werkstatt [„Offizin“] Egenolph in Frankfurt am Main sind Badeszenen zu sehen, in denen der Badeknecht oder Badegeselle Schröpfköpfe abnimmt. Die Druckstöcke sind um 1520 entstanden und wurden des Öfteren bis in die Barockzeit weiterverwendet. Durch vorheriges Einritzen der Haut wurde beim sogenannten Blutschröpfen das abgestandene äußere Blut abgenommen. Beim Aderlassen wurde hingegen das veraltete innere Blut entfernt, welches nach damaliger Lehrmeinung für viele Krankheiten verantwortlich war.

Zum Personal eines Badehauses gehörten seinerzeit in der Regel der Bader mit seiner Frau, der Geselle, Lehrling, die Bademägde und Badeknechte. Von den Mägden und Knechten wurde beispielsweise das Abreiben der Kundschaft durch Waschen mit Lauge und das Einölen der Haut besorgt. Auch gab es einen Wasserzieher, der den Heizkessel und die Kaltwasserbehälter mit Frischwasser aus einem Ziehbrunnen zu versorgen hatte. Der Altgeselle war für den alltäglichen Ablauf im Schwitzbad zuständig. Als Wundarzt und Berater in gesundheitlichen Angelegenheiten fungierte der Bader. Seine Frau leitete gelegentlich die Verköstigung der Kundschaft einschließlich der Bereitstellung der Speisen für Gemahl, Familie, Lehrlinge und Gesellen. Wannenbäder oder Ganzkörperwannen, wie sie in mittelalterlichen Abbildungen oft zu sehen sind, waren wegen des hohen Warmwasserverbrauchs sehr kostenaufwendig, dienten aber dem Bader als willkommene Nebeneinnahme. Wannenbäder wurden vor allem von einer wohlhabenden Oberschicht bevorzugt.

[3] Stichwort „Bader und Barbiere“, in: Heimatlexikon – unser Österreich, Austria-Forum / TU Graz, hier URL: http://austria-forum.org/af/Heimatlexikon/Bader_und_Barbiere, aufgerufen am 4.7.2016.

[4] Jost Amman, Der Bader, Kupferstich, in: Hans Sachs und Jost Amman, »Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden …«, Frankfurt am Main 1568.