Die Ratsbadestube in Celle, 1526 – 1730

Das Haus des Baders
 
Um 1910 erwarb Malermeister Witt das heruntergekommene Gebäude in der Celler Schuhstraße 27 – ein Anwesen, das als alte Ratsbadestube oder auch Stadtstoven bekannt war. Die Ratsbadestube war ein öffentlicher Ort und ist im Zusammenhang mit der Körper- und Gesundheitspflege in der Stadt zu sehen. Die Betreiber mussten für das Anwesen stets Pacht entrichten. Die Badestube verteilte sich auf zwei unterschiedliche Gebäude, das Vorderhaus, so wie wir es heute noch betrachten können, und das Schwitzbad. Das Schwitzbad – als Raum der Körperpflege – wurde später unter den Erben des Bürgermeisters Seelhorst Ende des 18. Jahrhunderts abgerissen. Der letzte Bader Feldstein hatte das Anwesen um 1730 erworben und betrieb es privat noch mehrere Jahre weiter, ehe die Gebäude wohl als Wohnort für externe Schüler unter Schulmeister Speckhahn umfunktioniert wurden. [1]
 
Der sogenannte Badestoven kann ab 1526 nachgewiesen werden und war zunächst nicht mit dem Vorderhaus verbunden.
 
Am 26. Juli 1729 wurde das Anwesen der Ratsbadestube neu aufgenommen und geschätzt. Grund war der Verkauf des städtischen Besitzes an besagten letzten Bader Feldstein.[2]

Demnach befanden sich seinerzeit im Erdgeschoss zwei Stuben, die folgendermaßen interpretiert werden können: Ein Raum diente neben einer Küche gelegen für die Bewirtung, und ein anderer Raum fungierte als Praxis – als Arbeitsraum des Baders. Zwei Kammern könnten als Abziehräume, also Umkleiden für Frauen und Männer, gedient haben. Schließlich werden noch zwei längliche gewölbte Badestuben, das später abgerissene Schwitzhaus, erwähnt. Auf dem Grundstück befanden sich außerdem eine größere Kalthütte (?), wohl zum Lagern des Brennmaterials sowie als Standort des zu beheizenden Kessels, ein Ziehbrunnen, eine kleinere Hütte, ein Abort und ein kleiner Schweinestall.

Anonymus
Die Ratsbadestube in Celle

um 1910 | Fotografie, 87 x 136 mm

Die Familie von Malermeister Witt vor der Fassade der alten Ratsbadestube.
Die Fassade ist einfarbig, die Schnitzereien sind in einem schlechten Zustand.
Das Tauband ist im ersten und zweiten Geschoss fast durchgehend zu sehen.

Nach der ersten Renovierung der Ratsbadestube von Malermeister Witt

Anonymus
Nach der ersten Renovierung der Ratsbadestube von Malermeister Witt
nach 1910 | Fotografie, 55 x 79 mm

Die Fassade bekam eine Ziegelstein-Illusionsmalerei; die geschnitzten Figuren wurden farblich abgesetzt. Farblich abgesetzter Renaissancetreppenfries.

Nach der Aufnahme des Grundrisses im Jahr 1729 ist die Praxis, das Arbeitszimmer des Baders, vom Betrachter aus vorne rechts zu vermuten. Neben dem Haupteingang links lässt sich die Stube – der Gastraum für den eventuellen Verzehr – vermuten. Hinten im Hauptgebäude sind zwei Abziehräume – Umkleiden für Frauen und Männer. Eine Küche befand sich gegenüber des Treppenhauses. Der breite Flur zog sich sowohl durch das 1. sowie das 2. Obergeschoss. Diese Flure dienten als öffentliche Bereiche. Die eigentlichen Badestuben für Männer und Frauen lagen hinter den Abziehräumen, sie sind später abgerissen worden.

[1] Chronologie der Bewohner und Besitzer der Badestube von A. Witt, Archiv des Sammlers Andreas Behrens.

[2] Carsten Maehnert, Geschichte des Celler Friseur-Handwerks: Bader, Barbiere, Perückenmacher und Friseure im Wandel der Zeit (Schriftenreihe des Bomann-Museums und Stadtarchivs Celle), Celle 1988, StA Celle, 14b220, Bl. 9.